Seine deutschsprachige Erstaufführung fand das Musical „Chaplin“ am 10. März am Theater Osnabrück. Vorab gewährte Sarah Mittenbühler, die für Kostüme und Maske verantwortlich zeichnet, einen Einblick in das Reich zwischen Hüten, Perücken und Anklebebärten.

Noch sechs Tage bis zur Premiere des Muiscals CHAPLIN von Christopher Curtis am Theater Osnabrück: Überraschend gelassen gewährt uns Sarah Mittenbühler, die in der deutschen Uraufführung in Osnabrück für Kostüme und Maske verantwortlich zeichnet, einen Einblick in das Reich zwischen Tüll und Spitze, Pömms und Hüten, Perücken und Anklebebärten.

Am Broadway bereits ein Hit, wird das Musical in Osnabrück in deutschsprachiger Erstaufführung zu sehen sein. Es erzählt in großen Bildern ein Stück Filmgeschichte. Im Mittelpunkt steht das Leben des weltberühmten Stummfilmstars Charlie Chaplin mit all seinen Höhen und Tiefen. Damit eröffnet sich zugleich ein Blick hinter die Kulissen Hollywoods.

Zum Glück sind nicht alle Produktionen derartig aufwendig in der Ausstattung wie dieses Musical, sonst wäre der Aufwand in der Kostümwerkstatt des Theaters kaum zu stemmen. Die Fakten: Rund 200 Kostüme und 100 Perücken werden wird das Publikum auf der Bühne zu sehen bekommen. Alles individuell gefertigt und den Ensemblemitgliedern auf den Leib geschneidert oder geknüpft.

Sarah Mittenbühler

Sarah Mittenbühler

„Mit der Kleidung wird der Schauspieler zur Figur“ sagt Sarah Mittenbühler zu ihren Entwürfen. Die ersten Ideen hat sie schon entwickelt, bevor sie für diesen Auftrag nach Osnabrück kam. Aber wie kam es dazu? „Ich wurde mitgebracht“, schmunzelt Mittenbühler und erklärt, dass es ein durchaus üblicher Weg sei, von einem Regisseur, mit dem man bereits erfolgreich zusammengearbeitet hat, auch für weitere Engagements angesprochen zu werden. Regie führt in Osnabrück als Gast Christian von Götz, der auch das Bühnenbild entworfen hat.

Nun also Osnabrück. Zuvor war Mittenbühler für eine Produktion an der Royal Danish Opera beschäftigt und wird nach der Premiere von CHAPLIN nach Münster weiterziehen. Von der Stadt hat sie in den sechs Wochen ihrer Arbeit hier in Osnabrück noch kaum etwas gesehen. Zwischen Umsetzung der Entwürfe, Anproben und Anwesenheit bei den Proben bleibt wenig Zeit für Privates – Tage am Theater sind lang.

Zurück zu den Kostümen. Die ersten Ideen hält Mittenbühler in Collagen aus gezeichneten Details fest. Die Figurinen werden nach langen Recherchen immer weiter verfeinert und mit dem Regisseur abgestimmt. Im ersten Teil des Musicals soll sich die Ausstattung an typischer Mode in London um 1900 orientieren; eher zurückhaltend und farbreduziert. Chaplin lebte hier, eher in einfachen Verhältnissen, bevor der große Erfolg in Hollywood kam. Hollywood – das Stichwort für Kostüme und Maske im zweiten Teil. Hier wir d alles bunt, überzeichnet auf die Spitze getrieben und ganz im Gegensatz zu der schwarzweißen Welt der Stummfilme stehen.

Neben aller Kreativität und Sarah Mittenbühlers Lust, diese in ihren Entwürfen umzusetzen, müssen auch ganz pragmatische Ansätze ihren Raum haben. Da sie die Ensemblemitglieder erst hier vor Ort kennenlernt, muss dann doch das eine oder andere Kostüm noch verändert werden, damit es passt und gefällt. „Kostüme sind nur gut, wenn sie mit dem Darsteller verschmelzen“, ist Mittenbühler überzeugt. Wie soll ein Darsteller auf der Bühne perfekt agieren, wenn er sich in seinem Kostüm nicht wohlfühlt? Und, noch viel praktischer gedacht, muss das An-, Aus- und Umziehen in kürzester Zeit möglich sein. Einige Darsteller müssen in diesem Musical in bis sieben Kostüme schlüpfen. Inklusive Perückenwechsel dürfen einige dieser Umzüge gerade mal eine Minute dauern – da muss jeder Handgriff sitzen und nichts zu kompliziert sein. Der Chor muss auf der Hinterbühne in einer mobilen Garderobe mit Maske die Kostüme wechseln, um Zeit zu sparen.

Wir merken schnell: Sarah Mittenbühler liebt ihren Job. Das Eingehen auf neue Theater, Regisseure, der gemeinsame Arbeitsprozess vor Ort von den ersten Ideen bis zur Umsetzung auf der Bühne, die kreative Ausdrucksmöglichkeiten, all das ist ihre Welt. Wenn sie zum Schlussapplaus mit dem Ensemble auf die Bühne kommt, wird Mittenbühler die Premiere bis dahin wohl hinter derselben verfolgt haben: „Ich schaue keine Premieren an; da bin ich viel zu aufgeregt, dass etwas nicht so klappen könnte, wie wir uns das gedacht haben.“

Nach diesem spannenden Einblick in die Welt der Kostüme, Perücken und Masken sind wir jedenfalls sehr gespannt darauf, die Kostüme nun auch auf der Bühne zu sehen und freuen uns auf die Premiere.

TEXT & FOTOS: SVEN CHRISTIAN FINKE-ENNEN
VIDEO: LARISSA VOLZ & FLORIAN MORITZ

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