Nussbaums Spuren

An einem sonnigen Septembernachmittag stand ein Stadtrundgang der besonderen Art an. Anhand einer Karte mit den früheren Standorten des Metallwarenhandels der Familie Nussbaum lotste der Kunsthistoriker Jürgen Kaumkötter die Teilnehmer zu verschiedenen Wirkungsstätten dieser bekannten Osnabrücker Familie. Anlässlich der Neuerscheinung von Mark Schaevers Nussbaumbiografie „Orgelmann“ gewährte der Rundgang spannende Einblicke in das Leben Felix Nussbaums.

Los ging es an der Johannisstraße/Ecke Seminarstraße. Der Kunsthistoriker hatte eine Reproduktion des Nussbaum-Gemäldes „Die trostlose Straße“ (1928) mitgebracht. Der Blick wandert vom Bild in Richtung Johanniskirche. Die typische Straßenflucht ist auf dem Bild unverkennbar. Der Kunsthistoriker interpretiert die Aussage des Bildes als eine „Vision von dem, was kommen wird“ und somit als dunkle Vorahnung auf die Geschehnisse des Natinalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs.

Der nächste Halt heißt Große Rosenstraße 4-5. Dieser Ort spielt in der Geschichte der Familie Nussbaum eine besondere Rolle: Die Familie kam im 19. Jahrhundert aus Emden nach Osnabrück, um hier einen Metallhandel aufzubauen. Die Montanindustrie erlebte durch den Ersten Weltkrieg und den Bau des Hafens zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen Aufschwung, der auch in Osnabrück spürbar war. So wurde durch das Metall-Unternehmen eine starke Verbindung zwischen der Familie und der Stadt Osnabrück geschaffen. Der Standort des ersten Büros und des ersten Lagers der Familie befand sich in der Großen Rosenstraße.

Die Schlossstraße war eine weitere wichtige Etappe und gleichzeitig der nächste Stopp. Die Villa mit der Hausnummer 11 war das erste Firmengebäude der Familie Nussbaum. Im Obergeschoss befand sich außerdem das Atelier Felix Nussbaums. Heute ist das Gebäude Sitz einer Hausverwaltung. Das Obergeschoss ist privat vermietet.

Von der Schlossstraße führte Jürgen Kaumkötter geradewegs zum Schloss der Universität. Dieser Ort spielte keine besondere Rolle im Leben Nussbaums. Im Senatssitzungssaal gab es den Prototyp eines geografischen Migrationssystems – am konkreten Beispiel von Felix Nussbaum zu sehen. Das gemeinsame Forschungsvorhaben der Universität Osnabrück und des Zentrums für verfolgte Künste Solingen steht bei diesem Projekt im Vordergrund. Es zeigt Mobilitätsmuster auf und geht der Frage nach, wo welche Nussbaum-Werke entstanden sind bzw. wo sich die Werke heutzutage befinden. Darüber hinaus werden neben dem Lebensweg auch die Reisen Felix Nussbaums anschaubar dargestellt. Für die Datenbank wurde unter anderem das ausführliche Werkverzeichnis des Felix Nussbaum-Hauses verwendet. Sowohl die „Reise“ einzelner Bilder, als auch der Vergleich der Mobilitätsmuster unterschiedlicher Bilder werden somit ermöglicht.

Der Prototyp soll demnächst auf der Internetseite des Verlages sowie des Buches veröffentlicht werden. So kann ein „trimedialer“ Blick auf Felix Nussbaums Leben erzeugt werden: einerseits auf seine Kunstwerke, auf das Buch von Mark Schaevers sowie auf die Visualisierung durch das geografische Migrationssystem.

VON MALIN FECKE | FOTOS ERIK RAÚL DOMBRE

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