Sensationelle Fundstücke benötigen einen besonderen Rahmen ihrer Präsentation. Acht römische Goldmünzen (aurei) im Stückwert von 25.000 hat der Boden im Sommer in Kalkriese frei gegeben. Varusschlacht-Geschäftsführer Joseph Rottmann über die Sonderausstellung „Neues Gold aus Kalkriese“.

Neues Gold us Kalkriese

Joseph Rottmann (rechts) mit Heidrun Derks, Kuratorin der Ausstellung, und Landrat Michael Lübbersmann

Wer hat die aurei entdeckt?
Entdeckt wurden die Münzen bei Ausgrabungen im Juni 2016 vom Grabungsleiter Marc Rappe, unserem Grabungstechniker Klaus Fehrs und dem Hobby-Archäologen Karsten Keune.

Wie wurden sie gefunden?
An dieser Stelle im Museumspark haben wir gegraben, weil wir dort im kommenden Jahr ein interaktives Grabungscamp für Besucher bauen. Damit handelte es sich um eine so genannte Rettungsgrabung – ein echter Glücksfall also, dass genau an dieser Stelle der Boden die acht Aurei freigegeben hat. Gefunden wurden die Münzen zu Beginn der Ausgrabungen, als der Grabungsleiter die oberen Erdschichten mit dem Bagger abgezogen hat.

Woher stammen sie und wann wurden sie geprägt?
Die Münzen sind römisch. Alle aurei wurden in den Jahren zwischen 2 v. Chr. und 4/5 n. Chr. in Lyon (Lugdunum) im heutigen Frankreich geprägt. Die Münzen vom Typ Caius/Lucius werden als so genannte Schlussmünze, also als Münzen mit der jüngsten Prägung, vor der Varusschlacht datiert.

Wer führte sie mit sich?
Da es sich auch schon vor 2000 Jahren um einen erheblichen Wert handelte – immerhin fast der Jahressold eines römischen Legionärs – kann man davon ausgehen, dass kein einfacher Soldat die Goldmünzen bei sich hatte. Möglicherweise war der Besitzer ein Centurio oder ein anderer höhergestellter Militär.

Wie kamen sie in den Boden?
Genau wissen wir es nicht. Gold ist so ziemlich das Letzte was Menschen zurücklassen. Wahrscheinlich sind die Münzen in den Wirren der Schlacht verloren gegangen oder vielleicht sogar von einem Römer absichtlich vergraben worden, in der Hoffnung sie nach der Schlacht zurückzuholen.

Neues Gold aus KalkrieseWarum sollte man die Ausstellung nicht verpassen?
Die Ausstellung präsentiert den archäologischen Sensationsfund ansprechend aufbereitet und gibt darüber hinaus einen Überblick über die Vielzahl an Münzen, die in Kalkriese gefunden wurden. Außerdem ist ein Besuch eine gute Gelegenheit dem trubeligen Weihnachtsstress zu entfliehen und sich vom Glanz des Kalkrieser Goldes in den Bann ziehen zu lassen.

Wird dieser Fund weitere Grabungen sicher stellen?
Neue Funde und Befunde sind immer gut um neue Forschungsansätze zu entwickeln und damit auch Fördergelder für künftige Grabungen zu erhalten. Bei uns heißt es oft: „Ein neuer Fund, zwei Antworten und fünf neue Fragen“. Und der Boden in Kalkriese gibt nach wie vor die eine oder andere Überraschung frei, wie der Fund der acht Goldmünzen gezeigt hat. Es bleibt also spannend!

FRAGEN: ANDREAS BEKEMEIER

> bis 15.1.2017, „Neues Gold aus Kalkriese“, 
Varusschlacht im Osnabrücker Land – Museum und Park Kalkriese

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